Dokumentarische Architekturfotografie eines Backsteingebäudes mit großformatigen Wandbildern und moderner Glasfront unter klarem Himmel - Seefischmarkt Kiel
Dokumentarische Architekturfotografie eines Steinreliefs an einer markanten Backsteinfassade mit Fokus auf Textur und Licht - Seefischmarkt Kiel
Dokumentarische Architekturfotografie eines GEOMAR Gebäudes mit markanter Backsteinfassade und urbaner Gestaltung - Seefischmarkt Kiel


Würde man den Kieler Seefischmarkt nach seinem bunten Sammelsurium an Geschichte beurteilen – Bauerndorf in hügeliger Landschaft (650 Jahre), Werftgelände (50 Jahre), Seefischmarkt (25 Jahre) – wäre er nur eine Randnotiz der Geschichte.

Würde man ihn nach seiner Lage beurteilen – an der Mündung der Schwentine in die Ostsee (schön), im Stadtteil Wellingdorf (schwierig) -, wären die Meinungen bestenfalls geteilt, obwohl die Aus– und Anblicke teilweise sehr schön sind:

Atmosphärische Landschaftsfotografie eines Yachthafens mit Segelbooten unter einem dramatisch bewölkten Himmel - Schwentine Kiel
Momentaufnahme einer maritimen Reportage: Ein Segelboot gleitet über ruhiges Wasser vor einer sommerlichen Uferkulisse - Schwentine Kiel
Dokumentarische Landschaftsfotografie einer Marina: Komposition aus Segelbooten, urbaner Uferarchitektur und natürlicher Vegetation - Schwentine Kiel.
Detailaufnahme einer kunstvollen Wetterfahne mit Kieler Symbolik – Elch, Fisch und Wappen vor blauem Himmel – Street Photography aus Kiel Wellingdorf


2015 hätte Wellingdorf sein 700 jähriges Bestehen feiern können. Aber Kiel hatte den Jahrestag seines Stadtteils nicht auf dem Plan und der Ortsbeirat auch nicht. Und obwohl der pensionierte Wellingdorfer Pastor Gottfried Christopher Hesse bereits Anfang des Jubiläumsjahres auf den Termin aufmerksam machte und sogar einen Gedenkstein spendete, ging der Jahrestag ohne offizielle Feier vorbei.

Urbaner Kontrast in Kiel: Ein leuchtend orangefarbenes Fahrrad vor grünen Bäumen und einer klassischen Backsteinfassade – Street Photography / Dokumentarfotografie - Seefischmarkt
Moderne Glasfassade mit architektonischen Spiegelungen und sichtbarem Treppenhaus in Kiel – Dokumentarfotografie von urbaner Architektur - Seefischmarkt
Profil einer steinernen Skulptur an einer roten Backsteinwand vor blauem Himmel – Architekturfotografie und kulturelle Dokumentarfotografie aus Kiel Schleswig-Holstein


Dabei ist der Kieler Seefischmarkt in Wellingdorf einer der interessantesten Orte in Kiel. Forschung, Handel, Handwerk, Kunst, Architektur und Sportboothafen prallen hier unmittelbar unerwartet friedlich aufeinander und schaffen eine ganz eigene, inspirierende Atmosphäre. Nicht umsonst ist am Seefischmarkt die Dichte an Kreativen und Künstlern auffallend hoch.

Detailaufnahme einer Backsteinfassade mit den Fenstern von ‚Maikes Geschmeide‘ und dem ‚Cinturella Showroom‘ – Street Photography aus Kiel
Symbolische Street Photography: Große schwarz und weiß kontrastierende Maskensessel ,Nemo' von Fabio Novembre auf einem Holzsteg am Kieler Hafen vor Hintergrund von Segelbooten - Seefischmarkt.
Architekturfotografie der Neuen Salzhalle in Kiel: Moderne Fassade aus dunklen Klinkersteinen mit großen Fensterfronten und urbaner Gestaltung - Seefischmarkt


Positiv geprägt und über das alltägliche Mittelmaß erhoben wird der Seefischmarkt durch das ehemalige Verwaltungsgebäude des alten Marinearsenals. Seine stolze Präsenz ist das Herzstück des Areals und trotzt heran kriechenden, die Perspektive zerstörenden Neubauten.


Architekturfotografie: Detailaufnahme einer steinernen Skulptur an einer historischen Backsteinfassade in Kiel - Erich Schmidt-Kabul Matrose.
Architekturfotografie eines imposanten Backsteingebäudes mit integrierten Skulpturen in Kiel – Dokumentation urbaner Architektur - ehemaliges Verwaltungsgebäude des alten Marinearsenals.
Architekturfotografie: Detailaufnahme einer steinernen Skulptur an einer roten Backsteinfassade in Kiel – Dokumentation urbaner Kunst und historischer Fassadendetails - Erich Schmidt-Kabul Werftarbeiter.


Ein Hoheitszeichen schon für sich selbst wird es durch zwei Figuren in seiner Hauswand zum Ereignis: In exponierten, extra dafür im roten Backstein geformten Nischen stehen die beiden fast zweieinhalb Meter großen Figuren aus Kunststein, die den eigentlichen Schatz des Seefischmarktes ausmachen.

Denn was ist Kunst? Das, was in Museen ein Zuhause gefunden hat? Oder das, wofür Sammler viel Geld ausgeben? Oder einfach etwas, was sich über Zeit und Raum erhebt, berührt, beeindruckt und inspiriert?

Aber was ist, wenn diese Kunst zur falschen Zeit zum falschen Zweck – 1939 zur Verherrlichung der Herrschaft der Nationalsozialisten - in Auftrag gegeben wurde? Wie der Matrose und der Werftarbeiter des Kieler Bildhauers Erich Schmidt-Kabul.

Historisches Steinrelief mit einem Anker-Motiv und der Jahreszahl 1939 an einer Backsteinfassade – Detailaufnahme aus Kiel altes Marinearsenal.
Architekturfotografie eines historischen Backsteinportals mit Steinrahmen und Anker-Relief aus dem Jahr 1939 – Detailaufnahme eines Gebäudeeingangs in Kiel altes Marinearsenal
Detailaufnahme eines steinernen Reliefs mit Fischmotiv und Wellenlinien an einer Backsteinfassade – Architekturfotografie aus Kiel altes Marinearsenal.
Dokumentarische Aufnahme einer historischen Steinstatue vor einer roten Backsteinfassade unter blauem Himmel – Denkmalfotografie aus Kiel Erich Schmidt-Kabul


Eine Internetrecherche zur Person des Künstlers ergibt einen mageren Eintrag bei Wikipedia, aus denen die Worte ‚psychische Erkrankungen‘, ,zwangssterilisiert‘ und ‚Nazi-Schutzstaffel SA‘ abschreckend hervorstechen, aber zusammen kein schlüssiges Personenbild ergeben. Zumal, wenn man sich dort Erich Schmidt-Kabuls harmonische, sensible Tierfiguren anschaut, die auf einer Kreuzung in Kiel-Elmschenhagen stehen. Das soll ein Nazi gewesen sein?

Detailaufnahme einer verwitterten Steinskulptur eines Primaten mit sichtbaren Moosstrukturen und Texturen, Dokumentarfotografie von Frank Eschenmann - Erich Schmidt-Kabul.
Detailaufnahme einer steinernen Mandrillskulptur mit ausgeprägter Textur und Verwitterungsspuren, dokumentarische Naturfotografie von Jan Petersen - Erich Schmidt-Kabul.
Detailaufnahme einer verwitterten Steinskulptur eines Mantelpavians mit Moosbewuchs und markanter Textur, dokumentarische Fotografie von Frank Eschenmann.


Zum Glück gibt es Menschen wie den Kunsthistoriker Prof. Ulrich Schulte-Wülwer, der sich die Mühe gemacht hat, u.a. persönliche Briefe aus dem Nachlass von Erich Schmidt-Kabul im Stadtmuseum Warleberger Hof in Kiel auszugraben.

In seiner spannenden Biografie des Kunstlebens in Kiel zwischen den beiden Weltkriegen wird ein talentierter, völlig unpolitischer Mann lebendig, der am liebsten Tierfiguren modellierte und Zeit seines Lebens um das wirtschaftliche Überleben, die künstlerische Anerkennung und mit seinen psychischen Erkrankungen kämpfte. Über den sein ihn wertschätzender Berliner Kunstprofessor an seinen besorgten Vater schrieb:

‚Sein Zustand ist durchaus normal und zu einer Beunruhigung scheint mir kein Grund vorzuliegen. (…) Schwermütige Sorgen ob des Verlaufs der Dinge hat er sich keinen Augenblick gemacht, sondern schlurfte friedlich pomadig bis zum Äußersten seines Weges.‘

Heute ist Erich Schmidt-Kabuls Wahrnehmung unter die Mühlräder der Geschichte geraten. Genau so wie sein Werk. Hat er das verdient?

Fotografische Aufnahme des Buchcovers ‚Kieler Künstler‘ von Ulrich Schulte-Wülwer; zeigt ein expressionistisches Hafenmotiv aus Kiel, Dokumentarfotografie.
Mein Dank gehört Pastor Gottfried Christopher Hesse, Fotograf Frank Eschenmann (www.eschenmann.de), Kunsthistoriker Prof. Schulte-Wülwer und Fotograf Jan Petersen (Kunst@SH) für ihre freundliche, inspirierende Unterstützung.

Verwendete Quellen: Kiel Wiki, Wikipedia und Kieler Künstler, Band 3: In der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus 1918-1945, ISBN: 978-3-8042-1493-4