Petra Keßler, Kiel

#Werbefotografie #Pressefotografie #Fotojournalismus
Momente festhalten und Schönheit sichtbar machen
Wie finde ich den richtigen Fotografen?

Die Checklisten, die immer wieder veröffentlicht werden, um den passenden Fotografen für das persönliche Fotoprojekt zu finden, finde ich total toll, ein bisschen Angst einflößend und irgendwie überfordernd.

Nur: Mit der Realität z.B. in Redaktionen und Agenturen, wo Profis täglich Fotografen suchen und buchen, hat das nicht so viel zu tun.

Denn weder ein besonders teures Equipment noch diverse Diplome garantieren, dass der Mensch hinter der Kamera auch fotografieren kann. Sie sagen auch nichts darüber aus, ob mir als Auftraggeber seine Sicht auf die Welt, also sein Stil, gefällt.

Der einzige Weg raus zu finden, ob ein Fotograf für mich funktioniert, ist – tara! - seine Fotos anzuschauen. Und mir dabei drei Fragen zu beantworten:

» Mag ich die Fotos überhaupt?
» Langweilen mich die Fotos ab dem zehnten Bild?
» Sind fünf dabei, die mich begeistern oder berühren?

Wenn die Antwort klar ‚ja-nein-ja‘ lautet, lohnt ein Gespräch.

Denn am Ende des Tages gibt es beim Fotografieren keinen Preis für Sympathie oder Technik, sondern es geht darum, dass ich als Auftraggeber die Fotos bekomme, die ich mir wünsche oder brauche.

On se sert des couleurs, mais on peint avec le sentiment.
Jean Siméon Chardin
Segen oder Fluch?

Wunderbare Fotos entstehen, weil ein Mensch mit seiner Seele die Einmaligkeit, den Witz, die Dramatik, die Schönheit eines Moments erkennt und mit seiner Kamera und seinem Können einfängt. Deshalb berühren gute Fotos und verändern Seelen. Vor und hinter der Kamera.

Das neue Datenschutzgesetz soll schützen. Wie ein Medikament helfen soll. Aber manchmal sind die Nebenwirkungen ernster als erwartet.

Fotografische Momente sind oft Sekundensache. Entweder drückt man auf den Auslöser und hält sie fest. Schafft damit unersetzliche Zeitzeugnisse und fotografische Inspiration. Wie Henri Cartier-Bresson und Paul Almásy.


Oder man hat die Schere des Datenschutzgesetzes im Kopf und die Strafen der Datenschutzverletzung im Nacken, die einen zögern oder gar nicht den Auslöser drücken lassen.

Den Verlust von Fotos, die nicht geschossen wurden, werden wir nicht sofort merken. Und die Tragweite der Auswirkungen auch nicht.

Aber irgend wann wird diese Lücke in der fotografischen Dokumentation unserer Zeit, unseres Lebens und das dadurch verursachte kulturelle Ausbluten sichtbar werden. Denn wie soll ein Foto, das nie geboren wurde, etwas zeigen, lehren, verändern?


Der tiefere Sinn guter Fotos

Momente festhalten und Schönheit sichtbar machen. Gegen die Unsichtbarkeit, der das Vergessen und der Verfall folgt. Das können gute Fotos.

Ohne Zeugnisse unserer Vergangenheit sind wir wie ein Mensch ohne Gedächtnis. Im Zweifelsfall gezwungen, ein und denselben Fehler immer wieder zu machen, weil wir nicht aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen können. Um es besser zu machen.

Ohne Bewusstsein für die Vergangenheit wissen wir auch nicht, wer wir sind. Denn wir sind die Summe unserer Erfahrungen, im Guten wie im Schlechten. Ohne Erinnerung haben wir sicherlich weniger, was wir bedauern müssen. Aber auch viel weniger, auf das wir stolz sein können. Oder worüber wir uns freuen mögen.

Deshalb macht es Sinn, Zeugnisse unserer Vergangenheit zu bewahren. Als Orientierung auf dem Weg des Lebens, aber auch als wichtigen Teil der eigenen Identität.

How many loved your moments of glad grace,
And loved your beauty with love false or true,
But one man loved the pilgrim soul in you,
And loved the sorrows of your changing face;
William Butler Yeats

About me

Der einmalige Charme eines Fotos des Fotografen Paul Almásy hat mein Leben verändert. In dem Moment war ich Werbetexterin und saß ich in einem kleinen Büro in einer großen Werbeagentur.

Ich kannte die Macht von Worten. Plötzlich begriff ich die Magie von Bildern. Trotzdem hielt ich diese Entdeckung nicht für wichtig.

Bis ich Journalistin wurde und begriff, dass immer erst das Foto kommt und dann der Text. Und dass ich ein perfektes Foto nicht nur sehen, sondern auch bewirken kann.

Dann noch zu entdecken, dass es eine Leidenschaft wird, ist ein sehr verwirrender Moment. Denn so war das ja nie geplant.